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Die Gagstanze
Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues
für euch zurecht. Diesmal heißt es:
Ulli und ich bei Onkel Hansi
Wir feiern Weihnachten
Festlich
ist diese Geschichte aus dem Kultbuch
„Suffis Welt“. Das Bild dazu könnt Ihr Euch ausdrucken
und ausmalen. Schon habt Ihr ein schönes Weihnachtsgeschenk für
die Mutti. Wem das nicht reicht – das Ulli-Buch
samt Ulli-CD gibt’s
ruckzuck im Kautsch-Konsum.
Tante Edda hatte sich übelst in Schale geworfen: lila Pulli mit
Goldfaden-Stickerei. „Tolle Katze!“ sagte Ulli und tippte
auf das Motiv.
„Lass Edda seine Titten in Ruhe. Ich fass dich auch nicht an!“
bläkte Onkel Hansi. Ich nickte.
Alles war hübsch hergerichtet. Es gab Klöpschen und Ei-Schnitten,
und da steckten sogar Happenspießer drin.
„Ich weiß gar nicht, was ihr habt“, flötete Tante
Edda. „Der Ulli ist so ein kleiner, süßer Fettstrudel!“
Sie strich ihm über die klebrigen Haare. Mittendrin fielen ihr die
Bockwürstchen in der Küche ein, und sie ging raus.
„Blöde Trulla!“ brabbelte Ulli, Onke Hansi rülpste
und köpfte die dritte Flasche Goldi. Dann machte er einen brauchbaren
Vorschlag: „Jungs, wollt ihr so ein bisschen was Weihnachtliches?“
Ich fand’s gut, um ein bisschen die Stimmung zuheben, Ulli grummelte.
Onkel Hansi steckte die Weihnachtsbaumbeleuchtung rein, worauf die Krücke
am Fenster anfing, wild zu blinken. Dann legte er eine Peter-Schreier-Adventslieder-Platte
auf. Gleich vorne bei „Süßer die Glocken“ war ein
Sprung, so dass Peter Schreier bei „Süßer-süßer-süßer“
hängenblieb.
Tante Edda kam rein, mit den Bockwürstchen auf dem Teller, und bekam
glänzende Augen. „Ach, mein Lieblingslied!“
„Du hast den Senf vergessen“, maulte Onkel Hansi nach einem
kurzen Blick auf den Tisch. Tante Edda flötete: „Bin schon
unterwegs“, und verschwand wieder.
Das nutzte Ulli, um ihr was vom Goldi in den Eierlikör zu kippen,
an dem sie den ganzen Abend nippte. „Damit’s richtig dreht.“
Tante Edda brachte den Bautz’ner mittelscharf, und die Würstchen
waren fällig.
„Die sind aufgeplatzt“, stellte Onkel Hansi bei seinem zweiten
fest.
„Wir können auch gern Lebkuchen essen. Es ist schließlich
Weihnachten“, schnappte Tante Edda ein.
„Is’ in Ordnung, das machen wir dann“, beruhigte ich
sie.
Ulli legte sein drittes Würstchen weg und sagte: „Du siehst
heute voll scharf aus, Tante Edda!“
Er hatte recht: Der lila Pulli mit der Katze drauf und dazu die weißen
Leggins mit den schwarzen Punkten, das stand ihr.
„Mach keinen Scheiß, Ulli“, warnte Onkel Hansi. „Eh,
Edda hat gesoffen und ...“
„Was und?“ fragte ich. Tante Edda kicherte.
Onkel Hansi sprach weiter: „Na, und dann erzählt sie immer
ihren Witz von den Nullen und den Achten.“
„Was? Soll ich?“ freute sich Tante Edda. „Also: Zwei
Nullen gehen durch die Wüste. Treffen sie zwei Achten. Sagt die eine
Null zur anderen: Püh, bei dieser Hitze mit Gürtel.“
Tante Edda war fertig und guckte in die Runde, ob wer lachte. Onkel Hansi
glotzte auf die Goldi-Flasche, ich auf Onkel Hansi, nur Ulli wieherte
los. Tante Edda wieherte mit und angelte für Ulli einen Lebkuchen
vom Teller in der Schrankwand. Ulli fraß ihn gleich aus Tante Eddas
Hand.
„Hier, ich hab’ mir gedacht, man müsste mal was in Aktien
machen“, kündigte neben mir auf dem Sofa Onkel Hansi an. Er
hatte nichts mitgekriegt, und das sollte besser so bleiben.
„Wie Aktien?“ fragte ich deshalb nach.
„Na, das beginnt doch schon bei zehn, zwanzig Mark.“
„Ehrlich?“
„Na klar!“
„Und wie geht das?“
„Pass auf, ich erklär’s dir!“ Onkel Hansi hob wichtig
den Zeigefinger. „Nehmen wir an, du kaufst Hühner und die legen
dann Eier. Dadurch sind die dann mehr wert, und dann verkaufst du sie
wieder.“ Onkel Hansi stutzte. „Und wenn Hochwasser kommt,
hättest du lieber Enten nehmen sollen.“
Ich guckte rüber, wie Ulli mit Tante Edda rummachte. Gerade hatte
er ihr den mit Goldi vermischten Eierlikör nachgeschenkt. Jetzt knabberten
sie zusammen an einem Schokoladenstern. Onkel Hansi guckte, wo ich hinguckte
und zuckte. „Ich glaub’, mein Schwein pfeift!“
Die Goldi-Flasche flog vom Tisch, zum Glück war sie leer. Ulli spuckte
den Stern aus und krempelte sich die Ärmel hoch.
„Was’n los, Onkel Hansi? Heh, Z-D-F!“
„Was, Z-D-F?“
„Zieh den Finger!“
Onkel Hansi zog und hechtete auf Ulli drauf. Der Sessel kippte um. Beide
rollten über den Wohnzimmerteppich und genau in den Weihnachtsbaum.
Die Lichter blinkten weiter. Ulli hatte eine Kugel am Ohr und Onkel Hansi
einen Zweig im Mund. So lagen sie da.
„Willst Du vielleicht einen Lebkuchen?“ Tante Edda hielt
mir den Teller hin.
„Gut“, antwortete ich und griff zu. Allerdings erwischte ich
einen alten und brach mir vorne einen Zahn ab.
„Scheiße!“ schrie ich und packte Tante Eddas bunten
Teller. „Scheiße Weihnachten!“ Ich haute das Ding zu
Ulli und Onkel Hansi in den Weihnachtsbaum. Ein Glucksen kam als Antwort.
„Ich hab’ die Schnauze voll!“
„Du willst doch nicht schon gehen? Du kriegst doch noch dein Geschenk!“
Tante Edda war auf einmal ganz aufgeregt. „Ich hab’s aber
noch nicht eingepackt. Sie klappte ein Teil in der Schrankwand auf.
„Unser Weihnachtsfach.“
Heraus zog sie eine Flasche Goldi, an der ein wenig Lametta hing. Onkel
Hansi schmiss mit einer Weihnachtsbaumkugel nach mir. „Ich will
auch gratulieren.“ Ulli schnarchte neben ihm im Baum.
Ich bedankte mich und ging, den Lebkuchen mit dem abgebrochenen Zahn
drin und den Goldi nahm ich mit. Ganz bestimmt konnte ich mit diesem Abend
noch etwas anfangen.
(Auszug aus: Kudernatsch: Suffis Welt. Ulli und ich und Onkel Hansi. Edition PaperONE Leipzig 2008 © Kudernatsch 2008.)
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